Wohnhaus »Haus P« in Dortmund

Das Haus P ist ein besonderes Einfamilienhaus in Dortmund mit speziellem Augenmerk auf Tages- und Kunstlichtinszenierung. Die Detailliebe des Architekten Heiderich und der Bauherren führten zu einem sehr intensiven Projektverlauf mit vielen Diskussionsstunden. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ein sehr individuelles Hauskonzept, in dem sich alle Beteiligten wiederfinden.

 

Projektbeschreibung

Dieses besondere Wohnhaus in Dortmund folgt streng formalistischen Regeln der Baukörperkomposition. Die Vorliebe für sorgfältig ausgewählte Materialien und Einbauten erinnern an Bauten aus den 60er und frühen 70er Jahren.

Dem Eingangsbereich links und rechts zugeordnet sind zum Einen Kellerersatz- und Hauswirtschaftsraum, zum Anderen der Arbeitsbereich. Das Büro hat einen eigenen Freibereich im Durchgang von der Zufahrt zum Garten. Vom Eingangsbereich geradeaus sind Küche, Wohn- und Essbereich als fließender Raum in dem die Geschosstreppe als zonierendes Element bei Tag und Lichtskulptur bei Nacht steht. Im Obergeschoss befinden sich der Schlafraum mit dem überragenden Blick über das Ruhrgebiet, eine Ankleide und das großzügige Bad.

Die Außenanlagen beinhalten Terrassen für unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten und verzahnen das Haus mit dem Grundstück. Große Schiebetüren lösen die Abtrennung von Innen-und Außenbereichen auf und überdachte Freisitze ergänzen das Raumprogramm. Vor dem Wohnbereich gibt es einen Naturpool mit einem Eichenholzdeck.

Die komplette Möblierung wurde mit Ausnahme von Stühlen und einem Tisch eigens für das Gebäude entworfen. So wird die Küchenzeile in Ihrer Faltung über eine kleine Bibliothek bis in das Büro zu einem zentralen raumgliedernden Element.

Lichtkonzept

Eine besondere Stellung innerhalb des Gebäudes nimmt das Licht ein. Einerseits das Tageslicht, im überfluss vorhanden und über Verschattungsanlagen steuerbar. Andererseits das Kunstlicht im Innen-und Außenbereich. Aufgrund der großen Bedeutung des Mediums Licht für die Bauherren wurde parallel zur Architektur von Anfang an ein Konzept für die Lichtarchitektur entwickelt und somit eine Tages- und eine Nachtarchitektur des Gebäudes definiert.

Basis des Konzeptes ist der Wunsch der Bauherren nach einem ausgewogenen Zusammenspiel von lichten, zum Garten geöffneten Wohnräumen und schattigeren und uneinsehbaren Privaträumen im Obergeschoss. So ist das Gebäude durch den Tageslichteinfall ganz klar in zwei Bereiche gegliedert.

Wichtigste Kriterien für die Beleuchtung sind Sehkomfort, natürliche Lichtfarben und sehr hohe Farbwiedergabe sowie flexible Schalt- und Dimmbarkeit. Die deckenbündig eingebauten und somit sehr reduzierten Leuchten sind blendungs- und streulichtfrei und gewährleisten somit sehr effizientes gerichtetes Licht. Der große Anteil homogener vertikaler Beleuchtung auf den wenigen Wandflächen macht die Raumgrenzen wahrnehmbar und schafft einen Ruhepol für das Auge.

Die Kombination aus der flächigen Wandbeleuchtung und den ausgewählten Akzenten schafft Wahrnehmungshierarchien und spannungsreiche Blickperspektiven. Ergänzt werden diese durch ausgewählte Orte für Objektleuchten, welche warme Farbakzente setzen. Größtes Lichtobjekt ist jedoch der zwischen dem Wohn- und dem Essbereich eingestellte zentrale Treppenkern, welcher aus sich heraus zu leuchten scheint. Der bis zu über sechs Meter hohe Raum wird durch RGBW-LED-Linsenwandfluter inszeniert. So kann das volle Farbspektrum des Lichts ausgeschöpft werden. Tagsüber kann der Anschein eines Dachfensters simuliert werden, abends ergießt sich scheinbar lang nach dem realen noch ein andauernder Sonnenuntergang zwischen den zwei Wandscheiben.

Das Lichtkonzept für den Außenraum folgt dem gleichen Prinzip wie schon im Innenraum. Durch die Beleuchtung vertikaler Strukturen werden nächtliche Außenräume definiert. Die flächige Beleuchtung der Bäume auf der östlichen Grundstücksgrenze schafft bei Nacht eine optische Raumgrenze und lenkt den Blick in den Garten.

Durch die vertikale Beleuchtung im Außenraum wird der Spiegelungseffekt der Fenster aufgehoben und der Blick kann in die Ferne schweifen. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die im Vordach eingelassenen Leuchten, welche durch ihre asymmetrische Lichtverteilung eine Lichtlinie um den Glaskörper legen und ihn so wie auf einem Lichtteppich schweben lassen. Dabei gelangt durch die gute Abblendung und die leichte Anstellung der Leuchtmittel kein Licht in den Innenraum.

Auch der Schwimmteich wird nachts zum Lichtobjekt. Eine einzige Leuchte mit 13W LED und Ovalzeichnerlinse akzentuiert die gesamte Wasserfläche und die Bepflanzung, eine weitere Leuchte mit lediglich 3W beleuchtet randscharf die eingestellte Ziegelmauer. Weitere Akzente und eine ausgeklügelte Einfahrtsbeleuchtung runden das Lichtkonzept ab.

Um Lichtszenen je nach Tages- und Nachtzeit, Wetterbedingungen, Nutzungen und gewünschten Atmosphären einfach anpassen zu können, wurde eine DALI-Lichtsteueranlage eingebaut, welche neben den Leuchten, schaltbaren Steckdosen und Bewegungsmeldern sogar per Knopfdruck oder Timerfunktion die Garten- und Poolbewässerung kontrolliert.

Eingesetzte Materialien

Die wesentlichen Materialen reduzieren sich auf Eiche, Ziegelsteine, Grauwacke und Aluminium. Das Wohnhaus entstand durch eine additive Baukörperkomposition aus einem steinernen Sockel und einer gefalteten champagnerfarbenen Metallplatte, die einen halbtransparenten Holzquader umgreift und über dem gläsernen Wohnbereich schwebt.

Die Ziegelsteine des Erdgeschosses kommen aus dem Münsterland und wurden wegen ihres braunen Tons und der beim Brand entstehenden kleinen goldfarbenen Einschlüsse ausgewählt. Die Fenster sind aus Eichenholz mit einer Aluminiumschale auf der Außenseite im Eloxalton C34. Die Aluminiumverkleidung des Obergschosses im Eloxalton C32 hat eine Teilung im Gebäuderaster von 1,75m. Die Holzverkleidung des Obergeschosses besteht aus thermisch behandeltem Pappelholz. Außenanlagen sind bestimmt von einfachen naturbelassenen Betonoberflächen.

Fußböden und ausgewählte Möbelteile wurden in geräucherter deutscher Eiche ausgeführt. Die Grauwacke, auf allen beanspruchten Flächen auf Fußböden und Wänden im Eingangsbereich und in den Nassbereichen verbaut, kommt aus dem nahen Oberbergischen Land. Andere Einbauten wurden zumeist mit matter weißer Lackierung beschichtet.

Projektdaten & beteiligte Unternehmen

Typ: Einfamilienhaus
2010, in Planung

Am Haus P beteiligte Firmen:

Architekt: Heiderich Architekten
Lichtplanung: LDE Kober, Dortmund
Tragwerkplanung: Lederhose & Wittler, Dortmund
Energieplanung: Markus Patschke, Nordkirchen
Fotograf: Thomas Mayer

 

Projektbilder

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